Biberschutz

Der Biber ist eine streng geschützte Art und hat eine Schlüsselrolle im Naturschutz inne. Gleichwohl kann er durch seine Lebensweise Konflikte verursachen. Das Bibermanagement muss einen Ausgleich zwischen diesen beiden Polen – dem Schutz des Bibers und den berechtigten Nutzungsansprüchen des Menschen – schaffen. Ein Bibermanagement zielt darauf ab, Akzeptanz für den Biber in der Kulturlandschaft zu schaffen und Konflikte zwischen Mensch und Biber zu lösen. Wichtige Grundpfeiler stellen hierbei die Information der Öffentlichkeit über den Biber und die Beratung von Betroffenen dar.

Im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projektes wurde von 2011-2014 ein integriertes Maßnahmenkonzept zum Umgang mit dem Biber in landwirtschaftlich geprägten Auenbereichen für die südliche Leineaue entwickelt. Es dient als Beispiel eines regionalen Managementkonzeptes zum Biber. Es fusst auf vier Bausteine:

  1. Biber-Monitoring: Entwicklung und Etablierung eines dauerhaften, GIS gestützten Monitoring auf ehrenamtlicher Basis zur Ermittlung der Bestandsentwicklung des Bibers
  2. Lebensraum- und Konfliktanalyse: Bewertung der Habitatqualität für den Biber sowie Identifikation potentieller Konflikträume durch Biberaktivitäten in der Südlichen Leineaue
  3. Bibermanagement: Aufbau eines Bibermanagements durch angepasste Schutz- und Präventionsmaßnahmen in der Südlichen Leineaue als Modell für die Region Hannover
  4. Kommunikation: Entwicklung einer Kommunikationsstrategie für das Bibermanagement mit einem zielgruppenspezifischen Informations- und Bildungsangebot

Das Maßnahmenkonzept wurde den relevanten Akteuren in der Region in Diskussionsrunden vorgestellt, um die unterschiedlichen Vorstellungen und Anforderungen von Land- und Wasserwirtschaft, Fischerei, Naturschutz und sonstigen Nutzungen zu berücksichtigen und einen Konsens zu erreichen. Das Konzept können Sie hier herunterladen.

Biber-Vorkommen

Der Biber (Castor fiber) wurde in Niedersachsen um 1819 herum ausgerottet. Gründe dafür waren vor allem die Jagd sowie die Zerstörung seines Lebensraumes. Heute erlebt der Biber hierzulande ein langsames, aber stetiges Comeback. Nach den hochwasserstarken Jahren 2002 bis 2004 wird er auch wieder im Leinetal zwischen Hildesheim und Hannover nachgewiesen. Belegt wurde seine Anwesenheit in der Region Hannover durch Fotos eines Anglers am "Union-See" außerhalb der nordöstlichen Grenze des Naturschutzgebietes "Alte Leine". Das war im Jahr 2005. Seither wurden an der Alten Leine sowie an der Leine zahlreiche Spuren und auch Biber selbst gesichtet. Wie viele Biberfamilien in der südlichen Leineaue sich bereits angesiedelt haben, konnte daraus jedoch nicht abgeleitet werden.

Kartieren macht Spaß

Das Geheimnis lüftete die erste Biber-Kartierung des NABU Laatzen. Im Winter 2012/13 haben von 30 ehrenamtliche Kartierer die Uferbereiche in der südlichen Leineaue gründlich auf Biberspuren untersucht. Um die Ergebnisse mit denen anderer Biberregionen vergleichen zu können, wurde ein Kartier-Standard entwickelt. Das Gebiet erstreckte sich über 35 Kilometer Flusslänge: vom Maschsee in Hannover bis an die Fuße der Marienburg bei Nordstemmen. Inbegriffen waren wichtige Zuflüsse wie die Alte Leine.

Die Bestandserfassungen werden seitdem jährlich durchgeführt - dank der tatkräftigen Unterstützung zahlreicher Ehrenamtlicher, die im Winter Biberspuren an den Fließ- und Stillgewässern in der Region dokumentieren. Die Daten liefern wichtige Erkenntnisse über die Habitatanforderungen des Bibers und über mögliche Konflikte durch unterschiedliche Landnutzungen. Wenn Sie auch an einer Biberkartierung teilnehmen möchten, nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Biberberater

Der NABU Laatzen bietet Ausbildungskurse zum ehrenamtlichen Biberberater in Niedersachsen an. Die dreitägigen Kurse vermitteln umfassende Inhalte zur Biologie des Bibers, zum Schutz und Management in Deutschland und in Niedersachsen. Sie richten sich an Bürger, die großes Interesse am lokalen Naturschutz sowie am Schutz des Bibers haben.

Für den praktischen Teil zu potenziellen Biberschäden und Schadensprävention konnten wir den Biberexperten Gerhard Schwab als Referenten gewinnen. Und da es beim Bibermanagement in erster Linie um Kommunikation geht, vermitteln wir im Kurs auch Grundkenntnisse der Öffentlichkeitsarbeit und der Kommunikation im Konfliktfall.

Welche Aufgaben hat ein Biberberater? Er ist der zentrale Ansprechpartner in allen lokalen Biberfragen, berät Betroffene bei Konflikten mit dem Biber und zeigt ihnen geeignete Maßnahmen, um Schäden zu verhindern. Des Weiteren kartiert der Biberberater die Biberbestände im Gebiet und vermittelt wichtiges Wissen über den Biber und seine Lebensweise bei Vorträgen und Exkursionen. Damit trägt er zu einem positiven Image und einer hohen Akzeptanz des Bibers in der Öffentlichkeit bei. Ziel der Ausbildung ist es also, die Ausbreitung des Bibers in Niedersachsen zu fördern.

Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Biberberater in Niedersachsen wurde im Rahmen eines Förderprojektes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) entwickelt. In 5 Kursen wurden in den Jahren 2012 bis 2014 über 90 Biberberater ausgebildet.

Seit 2016 wird die Biberkartierung mithilfe eines Web-GIS durchgeführt. Im Rahmen des Förderprojektes der Niedersächsischen BINGO-Umweltstiftung hat der NABU Laatzen das Online-Portal Plattform Biberschutz zur Biberkartierung entwickelt. In der Region Hannover-Hildesheim werden geschulte ehrenamtliche Kartierer die Gewässerabschnitte der Leine und ihre Zuflüsse auf Biberspuren untersuchen und ihre Funde direkt in das Online-Portal eintragen. Schauen Sie doch mal auf unserer Biberschutz-Plattform vorbei: www.biberschutz.de